Limonaden, Cola, Energydrinks, gesüßte Eistees und viele Fruchtsaftgetränke gehören für viele Menschen zum Alltag.

Was oft unterschätzt wird: Diese Getränke enthalten große Mengen an zugesetztem Zucker. Während die Auswirkungen auf Körpergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen seit Jahren gut dokumentiert sind, rückt inzwischen ein weiteres Organ in den Fokus der Forschung – unser Gehirn.

Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein dauerhaft hoher Konsum von zuckerhaltigen Getränken mit Veränderungen der Gehirnstruktur und einer schlechteren geistigen Leistungsfähigkeit in Zusammenhang stehen kann.

Was passiert im Gehirn?

Das Gehirn benötigt Glukose als Energiequelle. Entscheidend ist jedoch die Menge. Werden regelmäßig große Mengen Zucker konsumiert, kommt es zu starken Blutzuckerschwankungen. Der Körper schüttet vermehrt Insulin aus, um den Blutzucker zu regulieren.

Langfristig kann dies zu Stoffwechselveränderungen führen, die sich auch auf das Gehirn auswirken. Wissenschaftler diskutieren unter anderem folgende Mechanismen:

  • chronische Entzündungsprozesse

  • erhöhter oxidativer Stress

  • Beeinträchtigung der Insulinwirkung im Gehirn

  • Veränderungen der Blutgefäße

  • verringerte Neubildung von Nervenzellen

Diese Prozesse können sich langfristig negativ auf Gedächtnis, Konzentration und Lernfähigkeit auswirken.

Die Framingham Heart Study

Besonders bekannt ist eine Untersuchung der Framingham Heart Study, veröffentlicht im Fachjournal Alzheimer's & Dementia.

Die Forscher untersuchten mehr als 4.000 Erwachsene und verglichen deren Konsum zuckerhaltiger Getränke mit MRT-Aufnahmen des Gehirns sowie verschiedenen Gedächtnistests.

Die Ergebnisse zeigten:

  • geringeres gesamtes Gehirnvolumen

  • kleineres Volumen des Hippocampus (wichtig für Lernen und Gedächtnis)

  • schlechtere Leistungen in Gedächtnistests

Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie zeigt einen Zusammenhang, beweist jedoch keine direkte Ursache.

Quelle:
Pase MP et al. Sugary beverage intake and preclinical Alzheimer's disease in the community. Alzheimer's & Dementia. 2017.

Aktuelle Übersichtsarbeit bestätigt den Zusammenhang

Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse wertete 77 wissenschaftliche Studien aus.

Das Fazit:

Ein hoher Konsum von zugesetztem Zucker – insbesondere über zuckerhaltige Getränke – ist mit einem erhöhten Risiko für kognitive Einschränkungen und einer schlechteren Gedächtnisleistung assoziiert.

Die Autoren betonen gleichzeitig, dass weitere hochwertige Langzeitstudien notwendig sind, um eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachzuweisen.

Warum sind Getränke besonders problematisch?

Flüssiger Zucker wird besonders schnell aufgenommen.

Anders als feste Lebensmittel sorgen Süßgetränke kaum für ein Sättigungsgefühl. Dadurch werden häufig viele zusätzliche Kalorien aufgenommen, ohne dass die tägliche Nahrungsaufnahme reduziert wird.

Eine 500-ml-Flasche eines Softdrinks enthält häufig 50–60 Gramm Zucker. Das entspricht etwa 15 Zuckerwürfeln.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, freie Zucker möglichst auf weniger als 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Ein weiterer gesundheitlicher Vorteil wird bei einer Reduktion auf unter 5 % gesehen.

Können Süßgetränke Demenz verursachen?

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft lautet die Antwort:

Nein – dafür gibt es bisher keinen Beweis.

Es gibt jedoch zunehmend Hinweise darauf, dass ein dauerhaft hoher Konsum von zuckerhaltigen Getränken mit Veränderungen im Gehirn und einem höheren Risiko für kognitive Beeinträchtigungen verbunden sein könnte.

Gerade deshalb empfehlen Ernährungsexperten, den Konsum möglichst gering zu halten.

Was ist die bessere Alternative?

Für die Gesundheit von Körper und Gehirn empfehlen sich:

  • Wasser

  • Mineralwasser

  • ungesüßter Tee

  • Kaffee ohne Zucker

  • mit Früchten aromatisiertes Wasser

Diese Getränke liefern Flüssigkeit, ohne unnötige Zuckerbelastung.

Fazit

Ein Glas Cola oder ein Energydrink wird das Gehirn nicht unmittelbar schädigen. Problematisch wird es, wenn zuckerhaltige Getränke täglich und über viele Jahre konsumiert werden.

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt zunehmend Zusammenhänge zwischen einem hohen Zuckerkonsum und Veränderungen der Gehirngesundheit. Zwar ist die Forschung noch nicht abgeschlossen, dennoch sprechen die aktuellen Daten dafür, den Konsum von Süßgetränken deutlich zu reduzieren.

Wer langfristig seine Konzentration, Gedächtnisleistung und Gesundheit erhalten möchte, profitiert von einer ausgewogenen Ernährung mit möglichst wenig zugesetztem Zucker.

 

Wissenschaftliche Quellen

  1. Pase MP, Himali JJ, Beiser AS, et al. (2017). Sugar- and Artificially Sweetened Beverages and the Risks of Incident Stroke and Dementia: A Prospective Cohort Study. Stroke, 48(5), 1139–1146.

  2. Pase MP, Himali JJ, Jacques PF, et al. (2017). Sugary Beverage Intake and Preclinical Alzheimer's Disease in the Community. Alzheimer's & Dementia, 13(9), 955–964.

  3. Bellisle F, et al. (2024). The Impact of Free and Added Sugars on Cognitive Function: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients, 16.

  4. World Health Organization (WHO). (2015). Guideline: Sugars Intake for Adults and Children. Genf: World Health Organization.