Zuckergetränke und Gehirn – unterschätzte Folgen für die Gesundheit?

Cola, Limonaden, Energydrinks und gesüsste Eistees: Was sagt die Wissenschaft über den langfristigen Zuckerkonsum?

Süssgetränke gehören für viele Menschen zum Alltag. Ob unterwegs, beim Sport oder als schnelle Erfrischung: Zuckerhaltige Getränke werden oft nebenbei konsumiert. Dabei wird leicht unterschätzt, wie viel Zucker sich in einer einzigen Flasche verbergen kann.

Die gesundheitlichen Folgen eines hohen Zuckerkonsums sind gut untersucht. Besonders relevant sind das Risiko für Karies, eine übermässige Energieaufnahme und eine mögliche Gewichtszunahme. Auch Zusammenhänge zwischen zuckerhaltigen Getränken und der Gehirngesundheit werden wissenschaftlich erforscht.

Doch was ist tatsächlich belegt – und wo müssen wir zwischen Vermutung und gesicherter Erkenntnis unterscheiden?

Was passiert im Gehirn?

Das Gehirn benötigt Glukose als wichtigen Energielieferanten. Daraus folgt jedoch nicht, dass wir regelmässig Zucker über Süssgetränke aufnehmen müssen. Der Körper kann den Blutzuckerspiegel innerhalb enger Grenzen regulieren und das Gehirn mit Energie versorgen.

Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum kann unter anderem die Energieaufnahme erhöhen und die Entstehung von Übergewicht sowie Stoffwechselproblemen begünstigen. Solche Faktoren sind auch für die langfristige Gesundheit des Gehirns relevant.

In der Forschung werden verschiedene mögliche Mechanismen untersucht:

  • Veränderungen des Zucker- und Energiestoffwechsels

  • chronische Entzündungsprozesse

  • oxidativer Stress

  • Veränderungen der Insulinwirkung

  • Beeinträchtigungen der Gefässgesundheit

Diese Mechanismen sind wissenschaftlich interessant. Allerdings ist noch nicht abschliessend geklärt, in welchem Umfang sie beim Menschen durch den Konsum zuckerhaltiger Getränke ausgelöst werden und welche direkten Folgen daraus für die geistige Leistungsfähigkeit entstehen.

Was zeigt die Framingham Heart Study?

Eine 2017 im Fachjournal Alzheimer’s & Dementia veröffentlichte Untersuchung analysierte Daten von mehreren Tausend Erwachsenen aus der Framingham Heart Study.

Die Forschenden fanden einen Zusammenhang zwischen einem höheren Konsum zuckerhaltiger Getränke und einem geringeren Gesamthirnvolumen sowie schlechteren Ergebnissen bei bestimmten Gedächtnistests. Auch beim Hippocampus, einer für Lernen und Gedächtnis wichtigen Hirnregion, wurden Zusammenhänge untersucht.

Wichtig für die Einordnung: Es handelte sich um eine Beobachtungsanalyse. Sie kann zeigen, dass zwei Faktoren miteinander zusammenhängen, aber nicht beweisen, dass die Getränke die Veränderungen verursacht haben. Auch andere Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren können eine Rolle spielen.

Was sagt die Forschung zur geistigen Leistungsfähigkeit?

Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse untersuchte 77 Studien zu freiem und zugesetztem Zucker sowie zur kognitiven Funktion. In den Beobachtungsstudien fanden sich überwiegend Zusammenhänge zwischen einer höheren Zuckeraufnahme und ungünstigeren kognitiven Ergebnissen. Die Studien unterschieden sich jedoch in ihrer Methodik und Aussagekraft.

Daraus lässt sich keine allgemeingültige Aussage ableiten, dass Zucker unmittelbar das Gedächtnis schädigt oder zwangsläufig zu Demenz führt. Die Ergebnisse unterstreichen vielmehr, dass die langfristigen Zusammenhänge weiter untersucht werden müssen.

Warum sind Süssgetränke besonders relevant?

Zuckerhaltige Getränke können grosse Mengen freier Zucker liefern, ohne lange satt zu machen. Dadurch kann zusätzliche Energie aufgenommen werden, ohne dass bei späteren Mahlzeiten entsprechend weniger gegessen wird.

Ein Beispiel: Ein halber Liter eines Softdrinks mit 10–12 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält insgesamt 50–60 Gramm Zucker. Das entspricht ungefähr 13–15 Zuckerwürfeln, wenn man mit rund 4 Gramm pro Würfel rechnet.

Nicht jedes Getränk enthält gleich viel Zucker. Ein Blick auf die Nährwertangaben lohnt sich deshalb.

Wie viel Zucker empfiehlt die WHO?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, freie Zucker auf weniger als 10 % der täglichen Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen. Eine weitere Reduktion auf unter 5 % kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bringen, insbesondere im Hinblick auf Karies.

Freie Zucker umfassen zugesetzten Zucker sowie Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirupen und Fruchtsäften vorkommt. Der Zucker in ganzem, frischem Obst wird dagegen anders eingeordnet.

Können Süssgetränke Demenz verursachen?

Nein, ein direkter ursächlicher Zusammenhang ist bislang nicht bewiesen.

Die bisherigen Forschungsergebnisse liefern Hinweise auf Zusammenhänge zwischen hohem Zuckerkonsum, bestimmten Messwerten der Gehirnstruktur und der kognitiven Leistungsfähigkeit. Sie belegen aber nicht, dass Süssgetränke allein Alzheimer oder andere Demenzerkrankungen verursachen.

Trotz dieser offenen Fragen ist es sinnvoll, zuckerhaltige Getränke im Alltag massvoll zu konsumieren. Dafür sprechen bereits die gut belegten Auswirkungen eines hohen Konsums auf die Energieaufnahme, das Körpergewicht und die Zahngesundheit.

Welche Alternativen sind sinnvoll?

  • Wasser und Mineralwasser: für den täglichen Flüssigkeitsbedarf

  • Ungesüsster Tee: eine abwechslungsreiche Alternative

  • Kaffee ohne Zucker: für viele Erwachsene eine geeignete Option, sofern Koffein vertragen wird

  • Wasser mit Früchten oder Kräutern: für zusätzlichen Geschmack ohne zugesetzten Zucker

Auch Light- und Zero-Getränke können helfen, den Zuckerkonsum zu reduzieren. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung und Wasser als alltägliches Hauptgetränk.

Fazit: Bewusst entscheiden statt verunsichern

Ein einzelnes Glas Cola oder ein gelegentlicher Energydrink führt nicht automatisch zu einer Schädigung des Gehirns. Entscheidend sind die langfristigen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.

Die Forschung untersucht zunehmend, wie ein hoher Konsum zuckerhaltiger Getränke mit der Gehirngesundheit zusammenhängt. Die bisherigen Ergebnisse sind interessant, aber noch kein Beweis für eine direkte Ursache von Gedächtnisproblemen oder Demenz.

Bei ABC.Bodytransformation setzen wir auf Aufklärung statt Mythen. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, guter Schlaf und ein bewusster Umgang mit zuckerhaltigen Getränken bilden eine sinnvolle Grundlage für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

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Wissenschaftliche Quellen

  1. Pase MP, Himali JJ, Beiser AS, et al. (2017). Sugar- and Artificially Sweetened Beverages and the Risks of Incident Stroke and Dementia: A Prospective Cohort Study. Stroke, 48(5), 1139–1146.

  2. Pase MP, Himali JJ, Jacques PF, et al. (2017). Sugary Beverage Intake and Preclinical Alzheimer's Disease in the Community. Alzheimer's & Dementia, 13(9), 955–964.

  3. Bellisle F, et al. (2024). The Impact of Free and Added Sugars on Cognitive Function: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients, 16.

  4. World Health Organization (WHO). (2015). Guideline: Sugars Intake for Adults and Children. Genf: World Health Organization.